ADHS- und Autismusbehandlung in der Schematherapie

Ziele
Die Teilnehmer*innen lernen, Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und ADHS bei Erwachsenen in einem neurodiversitätssensiblen, schematherapeutischen Rahmen zu verstehen und zu behandeln.

Im Mittelpunkt steht die Unterscheidung zwischen neuroentwicklungsbedingten Besonderheiten, funktionalen Anpassungs- und Regulationsstrategien sowie biografisch entstandenen Schemata und Bewältigungsmodi. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmer*innen störungsinformierte Modusmodelle und lernen, schematherapeutische Interventionen an die individuellen Voraussetzungen neurodivergenter Patient*innen anzupassen.

Ziel ist eine therapeutische Haltung, die Neurodivergenz nicht vorschnell pathologisiert und gleichzeitig Leidensdruck und Veränderungswünsche ernst nimmt: zu erkennen, wo Veränderung sinnvoll ist – und wo Verstehen, Akzeptanz und Anpassung die therapeutisch angemessenere Antwort sind.

Inhalte
Autismus und ADHS begegnen uns zunehmend auch in der psychotherapeutischen Praxis mit Erwachsenen. Für die Schematherapie ergibt sich daraus eine zentrale Frage: Was ist Ausdruck der Neurodivergenz – und was ist im Laufe des Lebens daraus entstanden?

Nicht jedes Verhalten, das schematherapeutisch zunächst wie ein Bewältigungsmodus erscheint, sollte auch als solcher verstanden werden. Sozialer Rückzug kann Ausdruck von Vermeidung sein – oder eine notwendige Regulation nach sensorischer oder sozialer Überlastung. Ausgeprägte Strukturierung kann rigide Kontrolle darstellen – oder eine hilfreiche Kompensation exekutiver Schwierigkeiten. Entscheidend ist die individuelle Funktion: Was sollte therapeutisch verändert werden, und wo sind vielmehr Akzeptanz, Anpassung und Unterstützung gefragt?

Für Autismus und ADHS betrachten wir typische schemaprägende Erfahrungen und entwickeln anhand von Fallvignetten störungsinformierte Modusmodelle.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der therapeutischen Beziehung und der praktischen Anpassung zentraler schematherapeutischer Interventionen. Wie gelingt Limited Reparenting, wenn Nähe, Emotionalität oder implizite Kommunikation anders erlebt werden? Wann braucht Therapie mehr Struktur und Explizitheit? Wie lassen sich empathische Konfrontation, Imagination und Stuhlarbeit so einsetzen, dass sie den individuellen Voraussetzungen der Patient*innen entsprechen?

Wenn möglich und gewünscht, nutzen wir die Auswertung der Rollenspiele auch für Selbsterfahrung: Was geschieht mit mir, wenn mein Gegenüber wenig sichtbare Resonanz zeigt, stark abschweift oder ein anderes Bedürfnis nach Nähe, Struktur oder Kommunikation hat? Welche eigenen Schemata und Modi werden aktiviert, und wie beeinflussen sie mein therapeutisches Handeln?

Methoden

  • Kurze theoretische Inputs zu ASS und ADHS
  • Schematherapeutische Fallkonzeption und Entwicklung störungsinformierter Modusmodelle anhand von Fallvignetten
  • Demonstrationen schematherapeutischer Interventionen: Stuhlarbeit und Imagination
  • Rollenspiele zu Limited Reparenting und empathischer Konfrontation
  • Selbsterfahrung zu eigenen therapeutischen Reaktionen im Rahmen der Rollenspiel-Auswertung
  • Kollegialer Austausch klinischer Erfahrungen

Zielgruppe
Entsprechend den Richtlinien der Internationalen Gesellschaft für Schematherapie (ISST) ist die Eingangsvoraussetzung für die Teilnahme an diesem Kurs eine Approbation als psychologische*r oder ärztliche*r Psychotherapeut*in. Psychotherapeut*innen in Ausbildung mit dem Ziel der Approbation dürfen ebenfalls teilnehmen und den Kurs für die Zertifizierung anrechnen lassen. Mit der Kursbuchung versichern Sie, dass Sie diese Voraussetzungen erfüllen. Bei Fragen zu den Eingangsvoraussetzungen wenden Sie sich gerne direkt an uns.

Wann?

Fri, 09. April 2027
16:30 Uhr - 19:45 Uhr

Sat, 10. April 2027
09:00 Uhr - 16:30 Uhr

Wo?

Fliedner Klinik Berlin
Charlottenstraße 65
10117 Berlin

Wer?

M.Sc. Psych. Annika Löhrmann

CME Punkte

beantragt